Jugendämter

Wenn es Schwierigkeiten in der Familie gibt, ist das Jugendamt in der Regel der Ansprechpartner für die Betroffenen. Eltern und andere Erziehungsberechtigte können sich in allen Angelegenheiten der Erziehung und Entwicklung von Kindern an das Jugendamt wenden, das oft auch als Amt für Familien und Kinder (oder ähnlich) bezeichnet wird. Sie finden dort Beratung und Unterstützung in Not- und Konfliktlagen. Auch Personen, die nicht der Familie angehören wie Freunde, Bekannte, Lehrer oder andere Betreuer können Auffälligkeiten von Kindern und Jugendlichen hier melden.

Gesetzlicher Hilfeanspruch

Im Jugendamt arbeiten in erster Linie Sozialpädagog/innen und Verwaltungskräfte. Das Jugendamt bietet Hilfen nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz (SGB VIII) an oder vermittelt diese. Zu diesen Angeboten gehören insbesondere

* Förderung der Familienerziehung, z.B. durch Beratung in Erziehungsfragen, Eltern- und Familienbildung, Familienfreizeiten und -erholungsmaßnahmen (§ 16 SGB VIII),
* Beratung in Fragen der Partnerschaft, Trennung und Scheidung (§ 17 SGB VIII),
* Beratung bei der Ausübung der Personensorge (§ 18 SGB VIII),
* Betreuung und Versorgung des Kindes in Notsituationen (§ 20 SGB VIII),
* Tagespflege (§ 23 SGB VIII),
* Soziale Gruppenarbeit (§ 29 SGB VIII),
* Erziehungsbeistandschaft (§ 30 SGB VIII),
* Sozialpädagogische Familienhilfe (§ 31 SGB VIII),
* Erziehung in der Tagesgruppe (§ 32 SGB VIII),
* Vollzeitpflege (§ 33 SGB VIII),
* Heimerziehung (§ 34 SGB VIII),
* Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche (§ 35a SGB VIII),
* Inobhutnahme von Kindern (§ 42 SGB VIII),
* Mitwirkung in Verfahren vor den Vormundschafts- und Familiengerichten (§ 50 SGB VIII) sowie
* erzieherischer Kinder- und Jugendschutz (§ 14 SGB VIII).

Finanzierung der Hilfen

Sofern auf diese Leistungen ein Rechtsanspruch besteht, übernimmt das Jugendamt weitgehend die Kosten. Im Rahmen der wirtschaftlichen Jugendhilfe können bei sozial schwachen Familien auch die Kosten für die Kinderbetreuung erstattet werden. Getrennt lebende oder allein erziehende Elternteile, deren Expartner keinen Kindesunterhalt zahlen, erhalten unter bestimmten Voraussetzungen Leistungen nach dem Unterhaltsvorschussgesetz (UVG).

Es wird deutlich, dass im Einzelfall auf ein großes Spektrum an Leistungen der Jugendhilfe zurückgegriffen werden kann. Diese werden aufgrund des Subsidiaritätsprinzips zum Teil von Trägern der freien Jugendhilfe (z.B. Wohlfahrtsverbänden) ausgeführt, sodass sie vom Jugendamt nur vermittelt werden. Auch haben die Eltern als Leistungsberechtigte "das Recht, zwischen Einrichtungen und Diensten verschiedener Träger zu wählen und Wünsche hinsichtlich der Gestaltung der Hilfe zu äußern. Der Wahl und den Wünschen soll entsprochen werden, sofern dies nicht mit unverhältnismäßigen Mehrkosten verbunden ist. Die Leistungsberechtigten sind auf dieses Recht hinzuweisen" (§ 5 SGB VIII).

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